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19. Jun 2014 98

Viva Italia 2014 - cuore sportivo

„Il Presidente“ Manfred Palmberger rief vom 13.-15. Juni zur 19. Auflage der Viva Italia. 93 Teams kamen nach Eggenburg. Die Straßen im Waldviertel trugen schönstes italienische Blechgewand, die Teller beste böhmische Mohnnudeln…

Freitag: Prolog in der Kellergasse Stoitzendorf

Bereits Freitag am späten Nachmittag treffen die meisten Teilnehmer ein. Zum Warmfahren liegen 2.400 Meter in der Abendsonne ausgerollt. Die Zeitvorgabe kommt vom Team. In 1:30 Minuten = 96 km/h bis 2:30 Minuten = 57 km/h muss die Strecke zurückgeegt werden. Die Minimumzeit wurde vor Jahren nach dem Abflug eines Ennstal Classic Siegers (der auch sonst nicht fad fährt) eingeführt. Zu Start stellen sich die wunderschönen Autos in der Kellergasse zwischen den vor den Heurigen im Freien sitzenden anderen Teilnehmern an. Eine betörende optische und akustische Untermalung zum Jausenbrettl. 
Gewonnen haben ex equo die Teams Obermaier/Obermaier in einer Alfa Romeo Giulia 1300 ti und Mischka/Mischka in der Lancia Fulvia 1600 HF, dritte wurden Hölzl/Vorderauer in einem völlig originalen Fiat 124 Spezial T. 
Unser Ergebnis verschweigen wir lieber, zum Glück zählt der Prolog nicht zur Gesamtwertung.

Samstag: Classic Rallye vom Feinsten

Man weiß, was einen bei der Viva Italia erwartet. Überraschungen gibt es aber jedes Jahr. 
Akkurates Roadbook-Studium zahlt sich auf jeden Fall aus. Fast zwei Drittel des Feldes übersehen die PK2. Dass die errechnete Startzeit eigentlich 1. Starter plus Minuten der eigenen Startnummer MINUS 1 Minute ist, hat selbst bei erfahrenen Teams zu einem Minutenfehler geführt. Knappste Zeitvorgaben zwischen den Prüfungen waren bei entsprechender Vorbereitung kein Problem, aber…  
Erkannte man die letzten Jahre die meisten Streckenabschnitte wieder, so waren wir diesmal auf vielen unbekannten Straßen unterwegs. Bravo, die Viva Italia entwickelt sich weiter, und das im positivsten Sinn.
Die Spezialitäten der Viva Italia:

Bremsprüfung
70 Meter anfahren, zu einem Stock bremsen, Zeit 15 Sekunden. Unter 10 cm null Strafpunkte, darüber je cm 0,1 Sekunden Strafzeit. Durchschnittliche Entfernung 20 cm. Die Prüfung kann bei insgesamt 4 bis 6 Sekunden Abweichung über Sieg oder Niederlage entscheiden. Bei mir: Adrenalinpegel am Anschlag, das Auto steht und ich weiß genau, das war nichts. „18 cm, nicht schlecht“, meint der Herr mit der Messlatte. Warten auf den hinter mir startenden Koch aus Passau, der hat gleich 52 cm kassiert. Beim Quatschen am Abend erzählt mir das Team Thaller/Fischer, sie sind solange gerollt, bis der Zentimeternehmer die Augen aufgerissen hat, Ergebnis 2 cm. Sollte ich vielleicht nächstes Jahr auch so anlegen.
Orientierung
Wir bekommen einen kopierten Kartenausschnitt ohne Maßstabsangabe. Von A nach B mit einer PK in der Mitte, ca. 29 Minuten Zeit für 24 Kilometer, falls wir die kürzeste Strecke erwischen. Die Krux an der Aufgabe, die kürzeste ist nicht unbedingt die schnellste Verbindung. Was auf der Karte wie eine Straße aussieht, ist ein Güterweg mit Wintersperre (also nicht jetzt im Sommer), an dem wir glorreich vorüber fahren. Nächste Möglichkeit zum Abbiegen, check. Den darauf folgenden Abzweig gleich wieder übersehen. Also Variante drei. Komisch, eine eingezeichnete Straße, aber gefühlte 20 Abzweigungen. Wir kommen zeitgleich mit fünf anderen Teams (auch solchen mit höheren Startnummern) zur PK, check. Die Restzeit zur nächsten ZK ist bereits am Limit, noch dazu führt ein Großteil der Strecke durchs Ortsgebiet von Gmünd. Mit beherzter Fahrweise schaffen wir es, 3 Minuten vor unserer Zeit an der ZK anzukommen.
Fahrsicherheitszentrum Gmünd
Wer schneller als die durchschnittlich gefahrene Zeit (die beim Start noch unbekannt ist) den Lichtschranken auslöst, bleibt straffrei, darüber gibt es Punkte aufs Konto. Der Kurs geht in engen Kurven um einige Reifenstapel und macht Riesenspaß. Nachdem wir letztes Jahr dermaßen engagiert bis zum Lichtschranken gehetzt sind, dass wir bei der Vollbremsung danach beinahe aus der Kurve geflogen wären, legen wir heuer die letzen Meter gemütlicher an. Bis dahin wird aber voll gefahren. Im Feld gibt es immer einen, der besonders vorsichtig und langsam fährt. Unterm Strich waren nur 18 über der Sollzeit.
Mohnnudeln in der Waldschenke
Die Bewegungsfähigkeit, besser gesagt -unfähigkeit, nach dem ausgiebigen Mittagsbuffet mit den legendären Mohnnudeln sollte eigentlich als eigene Sonderprüfung gelten. Die Rache des Genusses macht sich als Faulheit und Müdigkeit breit. Zum Glück lauert auf den kommenden 28 Kilometern keine Sonderprüfung, nur die gemeine PK 2 (siehe weiter oben).
Viertelmeile am Flughafen Dobersberg
Vollgas! Beschleunigung bis zum Abwinken! Einige Teams fahren um ein paar Sekunden langsamer, um den Lichtschranken genauer zu treffen, Wir nicht, Aus den Vorjahren wissen wir, wie lange die Fulvia für die 402,33 Meter braucht.
Nordring Fuglau
Zwei Runden sind in möglichst geleicher Zeit nach eigener Vorgabe zu fahren. Heuer liegen Sand und gröbere Steinbrocken von der letzten Kurve bis zur Zeitnahme. „Il Presidente“ fährt mit Peter Pugarsek im Lamborghini Countach eine Runde, um zu sehen, ob ausreichend Bodenfreiheit vorhanden ist. Auf Grund der schlechteren Streckenbeschaffenheit schrauben wir unsere Zeitvorgabe um zehn Sekunden nach oben. Allerdings macht das Driften imSand so viel Spaß, dass ich mich vor dem Lichtschranken noch ordentlich einbremsen muss.
Abend auf der Rosenburg
Nach den flotten Etappen rollen wir im gemütlichen Tempo von Fuglau zur Rosenburg. Die Frage nach der PK 2 wird uns diesen Abend öfter gestellt: „Habt’s ihr die PK 2? Wir haben keine Passierkontrolle gesehen.“
Wir sind schon ziemlich die letzten, als die vorläufige Ergebnisliste aufgelegt wird. Was ich sehe, kann ich kaum glauben. Mein Beifahrer meint, er hätte es kommen sehen…

Sonntag: Gran Premio in Eggenburg

Eggenburg hat einen wunderbaren Hauptplatz, erinnert ein wenig an Italien. Jetzt, wo alle Starter rund um den Platz geparkt stehen, wird das Bild komplett. Um die ausgehängte Ergebnisliste hängen wie eine Traube Wespen die Teilnehmer. Am Rundkurs kann man eigentlich nichts mehr gut machen, aber alles verlieren. Team Engl/Poller hat dazu eine Geschichte auf Lager…
Mit Nummer 78 müssen wir ca. 1 Stunde auf unseren Start warten. Genug Zeit fürs Adrenalin. Auch wenn ich mir einrede, dass die 1,2 Sekunden Vorsprung von den Verfolgern nicht gut zu machen sind.

Das Ergebnis

Was soll ich sagen, wir haben es geschafft. Gemeinsam mit zwei Teams, denen wir den Sieg genauso vergönnt hätten, stehen wir am Siegertreppchen. Und können beim Grand Premio auch noch den zweiten Platz einfahren.
Gesamt
1. Peter Staud/Mag. Richard Hollinek, Lancia Fulvia Sport 1600 Zagato, 64,7 Punkte
2. Gerhard „Leo“ Leuthner/ Gabi Leuthner, Fiat X1/9, 87,3 Punkte
3. Dr. Manfred Engl/Mag. Auguste Poller, Alfa Romeo Spider Duetto, 111,4 Punkte
Die Gästeklasse wird in der Gesamtwertung nicht berücksichtigt, auf der Ergebnisliste stehen die Teams aber mit ihrer Zeit an der entsprechenden Position.
Gran Premio
1. Griesmayer/Baumgartner, Maserati Sebring 3500 GT, 0,01 Sekunden
2. Staud/Hollinek, Lancia Fulvia Sport 1600 Zagato, 0,02 Sekunden
3.  Egger/Grubecnik, Maserati Mistral, 0,07 Sekunden
Klassensieger
Klasse 1 bis 1300 ccm: Thalinger/Thalinger, Alfa Romeo Giulietta Spider
Klasse 2 bis 1300 ccm: Casny/Neumeister, Lancia Fulvia Coupe Rallye
Klasse 2 bis 2000 ccm: Leuthner/Leuthner, Fiat X1/9
Klasse 2 über 2000 ccm: Griesmayer/Baumgartner, Maserati Sebring 3500 GT
Klasse 3 bis 1300 ccm: Russegger/Russegger, Lancia Fulvia 1,3 S
Klasse 3 bis 2000 ccm: Staud/Hollinek, Lancia Fulvia Sport 1600 Zagato
Klasse 3 über 2000 ccm: Pichler/Sprinzl, Ferrari 308 GTS
Klasse 4 bis 2000 ccm: Kepplinger/Kepplinger, Alfa Romeo Spider
Klasse 4 über 2000 ccm: Hermann/Breu, Alfa Romeo Spider
Gästeklasse
1. Jirak/Gimenez, Porsche 911
2. Schmidt/Schmidt, Porsche Carrera Cabrio
3. Lehr/Öhlknecht, Jaguar MK2
Alles-Auto-Pokal, concorso d’eleganza
Enrico Falchetto, Chefredakteur Alles Auto, vergibt jährlich wie er sagt „in diktatorischer Entscheidung“ den Pokal für das schönste Auto auf der Viva Italia. Der concorso d’eleganza ging heuer an den Maserati Sebring 3500 GT vom Team Griesmayer/Baumgartner. 
Die Ergebnisse im Detail:



Nächstes Jahr wieder

Wir sagen Danke an Manfred Palmberger mit dem überaus großen cuore sportivo, seine reizende Frau, seine beiden ebenso reizenden Töchter und alle anderen die mithelfen, die Viva Italia jedes Jahr zu einem der stimmungsvollsten und gleichzeitig sportlichsten Höhepunkte im Klassik-Rallye-Kalender zu machen.
Wer einen italienischen Klassiker oder Exoten in der Garage hütet, sollte diese Veranstaltung auf keinen Fall versäumen.
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Kommentare

eugen
20. Jun 2014

Servus Peter,

vorab volle Gratulation zu eurem Gesamtsieg. Und dann gleich danke für den tollen Bericht zur Viva Italia. Ich hab diesen mit großem Interesse und viel Freude gelesen. Eine schöne Geschichte, über eine tolle Rallye - informativ und unterhaltsam erzählt.

Schöne Grüße
;-) eugen

rost
20. Jun 2014

Lieber Peter!

Auch wir wollen euch herzlich zum Gesamtsieg gratulieren!
Ist ja schon fast unglaublich! Schneerosen Classic 2./Q19 Höhenstrassen Classic 1./RARA WV Rallye 1./VIVA Italia 1. Deine Ergebnisse 2014 von denen wir Kenntnis haben...

Danke für den großartigen Bericht, mit hohem Unterhaltungswert und spannenden Hintergrundinformationen.
Jetzt wird es noch spannender in ROST´S Rangliste:-)
Eine Bitte noch: Wie viele Wertungsprüfungen waren bei der VIVA ITALIA? Danach richtet sich nämlich der Faktor. Schade dass keine (Detail-)Ergebnisse auf der Homepage online sind.

Liebe Grüße
Stephan u. Michi

peterstaud
20. Jun 2014

Danke, habe mir gerade den aktuellen Stand eurer Rangliste ausgedruckt. Platz 2 ist großartig. Da gibt's aber schon noch einige andere, vor denen ich den Hut ganz demütig ziehe.
Liebe Grüße, Peter

peterstaud
20. Jun 2014

Liebe Michi, lieber Stephan,
10 SPs (4x Schnitt, 5x Timing, 1x Bremsprüfung), 1 Orientierung, 4 ZKs, 3 PKs. Ich weiß nicht, was ihr alles als WP rechnet. Auf Grund der engen ZKs und PKs als dominanter Wertungsfaktor wäre es schön, wenn ihr alle 18 Wertungen für den Faktor einrechnet. Wenn ihr das verlinkte PDF öffnet, seht ihr auf den Folgeseiten die Details.
Und auch euch herzlichen Dank für die Glückwünsche.
Liebe Grüße,
Peter

lancia79
20. Jun 2014

Wir gratulieren Dir ebenfalls zum Gesamtsieg!
Alle reden nur von den Mohnnudeln bei der Viva Italia!
Jetzt müssen wir endlich mal mitfahren, und testen, ob die wirklich so gut sind.
Also nächste Jahr werden wir dabei sein!

Liebe Grüße Sabine + Martin

peterstaud
20. Jun 2014

Es gibt kaum ein besseres Argument als Mohnnudeln (zumindest für mich). Allerdings ist die Viva Italia eine der charmantesten und auch fahrerisch interessantesten und abwechslungsreichsten Veranstaltungen. Freue mich, wenn ihr nächstes Jahr dabei seid.
Und auch euch herzlichen Dank für die Glückwünsche.
Liebe Grüße. Peter

Karl
21. Jun 2014

Hallo Peter!
Auch von meiner Seite herzliche Gratulation zum (neuerlichen) Gesamtsieg!Toller Run, den Ihr da zur Zeit habt!Respekt!

LG
Karl Faist

peterstaud
21. Jun 2014

Danke, lieber Karl. Ich kann es selbst kaum glauben.

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